New Publication: Eine rechtssoziologische Analyse des islamischen waqf-Systems

Eine rechtssoziologische Analyse des islamischen waqf-Systems

Je abstrakter eine Rechtsnorm gefasst ist, desto besser kann sie den durch die funktionale Differenzierung der Gesellschaft entstandenen Kontingenzen gerecht werden. Umgekehrt hemmt ein Rechtssystem die System- und Sozialintegration einer Gesellschaft, wenn es hauptsächlich mit Analogien arbeitet, materielle Ziele verfolgt und damit den notwendigen Formwandel verhindert. Ein gutes Beispiel dafür ist das islamische waqf-System. Im Frühislam war Solidarität durch freiwillige Wohltätigkeit im zakāt-System erwünscht. In der Expansionsphase der islamischen Herrschaft wurde die Freiwilligkeit in eine theologisch legitimierte Norm verwandelt und im waqf-System institutionalisiert. Während dieser Transformationsphase dienten awqāf als ein System von Kompromissen. Dabei wurden die Bedingungen für waqf-Gründungen vom Zentrum bestimmt und ihre Verwaltung der Peripherie überlassen. Diese Arbeitsteilung wurde im Osmanischen Reich durch das duale Rechtssystem von sakralem und sultanischem Ursprung zusammengehalten. Zugleich wurde während dieser Phase die Lebenswelt einer rationalen Reflexion und das Recht einer Positivierung unterzogen. Die Stadien dieser Evolution werden im Folgenden nachgezeichnet und kritisch bewertet.

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